Es ist so. Es wird gebacken. Die Küchenmaschine rotiert, Herr Kugel rotiert um die Küchenmaschine, Zwack und Strizzi jonglieren die Zutaten und Otto zerrt an Herrn Kugels Hosenbein, weil sie von da unten nix sieht. Ein Geburtstagskuchen muss her, ich schmelze am nächsten Tag die Schokolade dafür. Und dann. Landen in liebevoller Kleinarbeit je ein Päckchen Gummibärchen und Smarties in der Schokolade. Und in die Mitte malt der Zwack mit Zuckerschrift „ganz viel Glück“. In bunt.
Strizzi sucht Blumen im Supermarkt aus, weil das auf dem Weg liegt. Und weil auch ein Freund vom Zwack auf dem Weg liegt und Eis verschenkt, essen wir Eis. Otto isst in der Zwischenzeit die Geburtstagsblumen und als wir ihr die Reste wegnehmen, lässt sie sich nur widerwillig mit türkischer Pizza trösten.

Wir decken den Geburtstagstisch, stecken Kerzen in den Kuchen, packen gemalte Bilder ein. Was ich mir eigentlich wünschte, fragt Strizzi. Ich rede wahrscheinlich irgendwas über Gesundheit und gesunde Kinder, er unterbricht mich, Nein, was Richtiges müsse man sich wünschen, Kochsachen oder sowas. KOCHSACHEN. Aber gut, er meint es lieb, das weiß ich. Tatsächlich wünscht sich ja der Zwack einen Grill. Für mich. Für sich. Für den Balkon jedenfalls. Und für Würschtl.

Welches Lied sie eigentlich singen sollten, überlegt er noch. Es fällt ihm aber kein Geburtstagslied mit Sirenen ein und tatsächlich lassen sie es am nächsten Morgen dann auch bleiben, das Singen. Es wäre auch ein wenig früh, aber für Kuchen genau richtig. Sie pusten die Kerzen aus und dann Gummibärchen und Smarties in Schokolade zum Frühstück. Auf den Bildern sind eine Feuerwehrwache und ein Traktor, der vor dem Einpacken noch ein Schneckenhaus war und am Nachmittag ein Vulkan werden wird.

Ich verbringe den Vormittag mit Wald und Berg und See, hole die Kinder ab, noch mehr Kuchen. Dann pflanzen wir Sonnenblumen auf dem Balkon, Strizzi duscht von oben Fußgänger. Zwack erfindet für mich eine Geschichte von Darth Vader und Prinzessin Lillifee auf einem Schleimplaneten. Otto isst Balkonblumen und Blätter, kriegt dann aber seltenen Ärger, als sie Strizzis Stocksammlung annagt.

Abends lassen wir uns Essen bringen, Gulasch und Schnitzel und Salat und Kaiserschmarrn, meine Schwester kommt und bringt Blumen vom Mittelstreifen mit. Wir trinken Wein und lesen den Kindern vor, bis sie ins Bett fallen. Strizzi wünscht sich vor dem Einschlafen noch, mit mir in Urlaub zu fahren. Alleine.
Mit Otto.
Und Zwack.
Und Papa.
Nur wir. Alleine!

Ein herrlich unaufgeregter, wunderschöner Tag. Endlich vorbei, findet der Zwack leise, denn der nächste Geburtstag ist seiner. Bald. Und er hat nun einen neuen Wunsch, doch keinen Grill, sondern ein Faxgerät.

Ja, der Zwack wünscht sich ein Faxgerät. Er sagt das auch so. Faxgerät. Es klingt ganz wunderbar und geheimnisvoll und wichtig und ich habe den Verdacht, dass ich hierzu mal eine Geschichte schreiben sollte. Die faxe ich Ihnen dann. Oder Prinzessin Lillifee.

Lieber Herr Kärcher,

bisher sind wir nicht zusammengekommen. Mein Tischameisenbären-StartUp wollten Sie seinerzeit nicht unterstützen – Schwamm drüber. Seit vier Jahren versagen Sie zu Muttertag, dabei erwarte ich nichts sehnlicher als ein Gerät aus Ihrem Hause, das Tisch, Kind und Boden gleichzeitig sauber kriegt. Sie bringen lieber einen neuen Werkstattsauger auf den Markt – geschenkt.

Jetzt aber habe ich eine Aufgabe, deren Lösung ich hiermit gerne bestellen möchte. Zwack hat Geburtstag und wünscht sich einen Roboter. Einen Roboter, der Kinderspielzeug aufhebt, sortiert, aufräumt, anschließend saugt und den Boden sauber schießt. (Ich musste erst bei „schießen“ an Sie denken, interessant, nicht wahr? Sowas können Sie doch, vorortweise, erzählt man sich.) Lämpchen soll er haben und piepsen darf er auch. Unbedingt. Anleihen bei Spiderman und Dinosauriern oder Drachen erwünscht.

Gerne darf er auch Retter in höchster kindlicher Not sein und auf „MAMAAAAAAAAAAA! KOMM BITTE! KOMM SCHNELL!!!!“ reagieren. Zum Beispiel nachts um vier, wenn Strizzi lauthals daran verzweifelt, ins elterliche Schlafzimmer umziehen zu wollen. Dann dürfte der Roboter die Gründe der Verzweiflung ausräumen. Also für den Strizzi Fußball, Puppe, Gorilla, Schaf, Lieblingsauto, Gutenachtbuch und Trinkflasche transportieren. Das schafft er alleine nämlich sonst nicht. (Gerne darf er – sobald Strizzi wieder eingeschlafen ist – diese Dinge per Aufräumfunktion auch aus meinem Bett entfernen.)

Und weil ich Sie schon geifernd fragen höre, nein, Fenster putzen muss er nicht und die Zeitung hole ich auch selbst. Über eine grüne-Daumen-Funktion können wir uns unterhalten und: er könnte uns manchmal noch Fragen beantworten. Zum Beispiel, wieso man zwei Nasenlöcher hat. Das ist doch jetzt nicht zuviel verlangt, oder? Na bitte. Der Geburtstag ist bald.  Einpacken kann ich das Ding selber.

Vielen Dank.

Hochachtungsvoll,

glitzer

 

Es ist so. Es ist Kindergeburtstag. Auf unseren ersten Kindergeburtstag sind wir nicht eingeladen. Wir sitzen im Biergarten, kennen niemanden und niemand kennt uns und dann bekommt dieser Junge ein Feuerwehrauto geschenkt. Ein großes. Mit Batterien und dementsprechendem Blinken und Lärmen. Zwack schielt schon die ganze Zeit zu den Luftballons hinüber und fängt jetzt an, schmachtend um die Geburtstagssause zu schwänzeln. Die Oma des Geburtstagskinds verteidigt eisern das Revier, Zwack holt mich zur Verstärkung, zeigt mir das Auto, für das sich das Geburtstagskind keine Sekunde interessiert. Ich sage ihm, dass er es anschauen, aber nicht anfassen dürfe, weil es einem anderen Jungen gehört, der es zum Geburtstag geschenkt bekommen habe.
Das würde er ja wohl kaum verstehen, zetert die Oma, Nicht kaputt machen, es gehöre dem Enrico und dann sagt sie: „Deine Mama kauft Dir auch eins.“ „Nein“, sage ich und der Zwack sagt „Anschauen“, deutet auf alle Details, erklärt in gebührendem Abstand das Auto, immer unter den Argusaugen der Oma. Irgendwann kommt Enricos Mutter, nimmt das Auto aus der Schachtel, stellt es – unter Oma-Protest, wahrscheinlich also Schwiegermutter – vor den Zwack und drückt ihm ein Stück Kuchen in die Hand.

Die nächsten zwei Stunden verbringt Zwack mit dem Behüten des Feuerwehrautos, ihm auf der Pelle immer die fremde Oma, bis ihr endlich jemand Sekt einschenkt. Als wir gehen müssen, überlegen wir zwei Dinge: wie eisen wir den Zwack vom Feuerwehrauto los? Und: füllen wir jetzt Cola oder doch besser Milch in den Behälter, aus dem man das Löschwasser pumpen kann? (Nur für die Oma. Nicht wegen Enrico.) Wir entscheiden uns für keines von beiden, das Auto gehört ja nicht der Oma, auch wenn das nicht deutlich wird. Ich sage dem Zwack, dass wir jetzt gehen müssen und statt in Heulen auszubrechen, startet er noch einmal die Sirene, bringt das Auto zu Enricos Mama, winkt und klettert in den Fahrradanhänger. Ich staune. Er bekommt noch ein Stück Kuchen.

Auf den nächsten Kindergeburtstag sind wir eingeladen, ein Junge aus der Kita, der auch  in der Nachbarschaft wohnt. Tim besorgt das Geschenk, eine orange Walze, ja, das Fahrzeug. Drei Tage vor dem Geburtstag entdeckt der Zwack die Walze und ruft: „WALZE! NEHMN! DA! WALZEEE! NEEEHMN!“ Ich erkläre ihm, dass die Walze für Bertl zum Geburtstag sei und lege sie irgendwo nach oben hinten in den Schrank. „NEEEHMN!“ plärrt der Zwack und setzt sich vor den Schrank. Irgendwann fruchtet eine Ablenkung und in den nächsten drei Tagen werden die Zeitspannen, die der Zwack „Walze NEEEHMN!“ vor dem Schrank verbringt, kürzer.
Dann kommt der Geburtstag. Ich packe „NEEEHMN! Zwack auch eine Walze! Zwack hat keine Walze! Zwack auch eine Walze! Walze nehmn!“ die Walze ein, erkläre ihm, dass wir sie dem Bertl schenken „MBAAAAAAAAAAAAAAA – NEEEEHMN! WALZEEEÄÄÄ!“ und er aber vielleicht im Laufe des Nachmittags damit spielen „NEEEEHMN! ZWACK WALZÄÄÄ NEEEHMN!“ kann. Ich drücke ihm eine Packung Salzbrezeln „ESSEN! WALZE NEHMN! ESSEEEEEN!“ in die Hand, packe ihn „WALZÄÄÄÄÄ! Zwack auch eine Walze!“ in den Wagen, wir gehen los. „PAPA WALZE SORGEN! Zwack auch eine Walze.“ – „Ja, wir können ja mal sehen, ob wir nochmal so eine Walze finden…“ (leises Schniefen) „…aber heute nicht mehr.“ – „MBAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! WALZE SORGEN! Zwack hat keine Walze!“

Nach sieben weiteren „…aber heute nicht mehr.“ – „MBAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!“ kommen wir an, Zwack hat die Brezeln in der Packung gewissenhaft zerbröselt, drückt sie Bertl in die Hand, will das Geschenk aber nicht rausrücken. Bertl greift beherzt zu, packt aus, Zwacks vorgeschobene Unterlippe zittert. Dann kommen neue Gäste, in der Aufregung merkt der Zwack gar nicht, dass Bertl die Walze festhält, aufatmen, reingehen, ausziehen, Kuchen, genauer: Nussecken, weil mit Schokolade.

Ich atme auf. Der Zwack isst an diesem Nachmittag noch viele Nussecken, spielt beständig mit der „Die macht alles platt!“ Walze, lässt sie am Ende sogar recht widerstandslos da, pult der Katze im Ohr, nimmt noch die letzte Nussecke mit nach Hause (nachdem er auch die Gemüseplatte leergegessen hat, immerhin).

Strizzi übrigens ist auch dabei. Der schafft es, in einem unbeobachteten Moment die Seelenruhe von Katze zum Fauchen zu bringen. Als er mich sieht, krabbelt er betont desinteressiert davon, um ein paar Wasserbecher vom Tisch zu fegen und sich irgendetwas in den Mund zu stopfen.

Ich weiß nicht, ob Geburtstage, auf die man nicht eingeladen ist, die entspannteren sind. Ich weiß auch nicht, ob man uns künftig mehr als einmal einlädt. Ich weiß nur, dass jemand (nicht ich!) dem Zwack ein kleines Feuerwehrauto geschenkt hat. Es blinkt. Es lärmt. Er liebt es. Ich verbringe meine Nachmittage seit Kurzem damit, Lego-Walzen zu bauen. Das Leben ist kein Kindergeburtstag.