Es ist so. Im Drogeriemarkt gibt es Schaumbäder. Das ist praktisch, denn ich bin auf der Suche nach einem Schaumbad für die Kurzen. Die meisten Schaumbäder allerdings sind für Prinzessinnen. Oder von Elfen. Oder einfach so rosa. Oder voller Glitzer. Nicht, dass ich etwas gegen Glitzer hätte. Aber der Zwack. Der Zwack ist nämlich ein Junge. Und das ist ihm wichtig, spätestens seit dem Kindergarten. Und rosa ist eine Mädchenfarbe. Lila auch. Glitzer sowieso. Und Mädchen sind doof, nein, anders: „Jungs sind cool, Mädchen sind stuhl!“ So jedenfalls bringt es der Zwack aus dem Kindergarten mit, zusammen mit „Jungs gegen Mädchen – Mädchen gegen Jungs“. Das nämlich rappen die Horties.

Mädchen sind also seltsam. Am Spielzeugtag zum Beispiel. Jeden Freitag darf man Spielzeug mit in den Kindergarten bringen. Ein schlimmer Tag. „Mama, der Marcel hatte einen Dinosaurier dabei, der von selbst laufen und brüllen kann! Wann ist wieder Weihnachten?“ Spielzeug aus der Hölle. Der Zwack steckt meistens sein Lieblingsauto in die Tasche oder einen Gespensterschlüsselanhänger. Das Gespenst heißt Gert. Irmela hingegen, berichtet der Zwack, habe nie richtiges Spielzeug dabei. Immer nur eine Puppe. Ob eine Puppe nicht auch Spielzeug sei, frage ich. Zwack guckt mich an, als wäre ich nicht ganz dicht. Eine Puppe? Spielzeug? Nein! Damit könne man doch nicht spielen. Die könne man nur immer so rumtragen.

Und überhaupt, ungerecht sei das mit den Mädchen. Er nämlich wolle auch mal ein Baby im Bauch haben. Und nur, weil er ein Junge sei, ginge das nicht. Er wolle auch mal Mama werden. Oder wenigstens Oma. Schließlich sei das auch viel praktischer, weil Männer nämlich ohnehin schon den größeren Bauch hätten, da passe ein Baby viel besser rein.

Strizzi hingegen versteht die ganze Aufregung nicht. Er ruft angesichts dicker Männer gerne mal „MAMA! Der hat ein Baby im Bauch!!!“ und wahrscheinlich hätte er auch nichts gegen ein rosa Schaumbad mit Glitzer. Er würde wohl hoffen, dass ihm davon endlich auch so „große Haare“ wie der Bella wachsen. Oder Ohrringe. Wünsche, die der Zwack wütend wegschnaubt, wobei er traurig auf seinen Bauch guckt.
Schaumbad habe ich übrigens keins mehr gefunden, schon gar keines, das hier zur Auflösung hätte beitragen können. Aber das Feuerwehrshampoo habe ich auch im Regal gelassen. Vielleicht finde ich ja irgendwo mal ein Kinderschaumbad. In grün. Nicht für Prinzessinnen oder Piraten. Für Kinder.

Es ist so. Leute fragen, wieso ich in letzter Zeit so wenig schriebe. Zum Beispiel in der Zeit, in der ich nicht arbeitete. Ich musste kürzlich daran denken, als ich eine Mutter in einem Café sitzen sah. Sie saß da und schrieb in ein Buch, sah ab und zu sinnierend auf, nippte an ihrer großen Schale Milchkaffee und schrieb weiter. Neben ihr saß ihr Kind. Malend. Mit Glitzerstiften in ein Buch, sah nie auf. Malte.

Mein hehres Ansinnen in diesem Café war: ein Espresso. Ich hielt das für realistisch. Noch bevor ich das Wort „Espresso“ aussprechen konnte – von „bitte“ ganz zu schweigen – war Strizzi zum ersten Mal von oben bis unten nass. Tropfnass. Mit dem Laufrad in den Brunnen gekippt. Zwack stand daneben und juchzte. Innerhalb dieses Espressos – „Ich möchte gerne gleich zahlen“ – konnte ich ihn noch weitere zwei Mal umziehen und ihn ebenfalls zweimal davon abhalten, mit seinem Laufrad über eine Treppe nach unten aus dem Park zu fahren. Beim Zwack bin ich schon froh, wenn ich analog zu seiner Geschwindigkeit rufen kann.

Solche Dinge mache ich in meiner Freizeit. Kinder aus Brennesseln pflücken. Schienbeinweise blaue Flecken und Schürfwunden wegtrösten. Hosen kaufen. Und, ganz wichtig: den beiden auf keinen Fall Glitzerstifte in die Hand drücken. Dem Strizzi nicht, weil er sie aufisst, dem Zwack nicht, weil er weitermalt. Das Bücherregal an der Wand fortsetzt, beispielsweise. Wir hatten einmal einen Edding im Wohnzimmer liegen gelassen und uns morgens über das ruhige SPIELEN des Zwacks gefreut. Fragen Sie nicht.
Überhaupt Spielen. Spielen ist ein Haufen. Ein Haufen Kinder. Ein Haufen aus Dutzenden Armen und Beinen und Schreien und wenn man sie entwirrt, sind es doch nur wieder die beiden unter irgendwelchen Kissen, Decken, Möbeln. Zu zweit eine Bande. Das klingt jetzt verboten stereotyp, ebenso die Stock- und Steinesammlung auf dem Balkon, Jungs, die wild sind blablabla und Mädchen, die Bibi Blocksberg blablabla. Das ist mir alles egal.

(Zumal: aus dem Haufen an Armen und Beinen hörte ich vor Kurzem ein „Hex! Hex!“ und dann ein „Enemene Hex! Hex! Du weg!“ Das hatte der Zwack von einer Kita-Freundin, die eine große Schwester hat. Es dauerte nicht lange, bis Strizzi mit ausgestrecktem Zeigefinger durch die Gegend lief, laut „Hes! Hes! Wed!“ rufend. Daraus ergab sich die nächste Verfolgungsjagd, an deren Ende lautes Gebrüll stand, weil der Zwack sein Laufrad weggehext hatte. Oder das Müllauto. Oder.)

Jedenfalls, ich schreibe gerade nicht. Aus Gründen. Nicht, weil hier nichts los wäre. Und jetzt gehe ich in das Café, um meinen Espresso vom letzten Mal weiterzutrinken.