Es ist so. Das Land ist nicht nur der drittgrößte Goldexporteur des Kontinents sondern besitzt auch den drittgrößten Staudamm. Den allerdings nur zu einem Drittel, er beliefert drei Länder mit Strom. Und weil das Wochenende lang ist, fahren wir ihn besichtigen, in den wilden Westen.

Die Zahl der Touristen hält sich dieses Jahr in Grenzen – indirekt proportional zum Staub, interessanterweise, wenn auch zusammenhangslos – und die der Staudamminteressierten bleibt ohnehin zu vernachlässigen. Dementsprechend gestaltet sich die Herbergssuche, irgendwann quartiert man uns in den alten Häusern der deutschen Ingenieure von vor 30 Jahren ein, in den Teil, der dafür im Moment nicht vorgesehen ist.

Die verlassenen Häuser der Ingenieure sind überraschend viel sauberer als das Hotel, das wir beim Zwischenstopp vor drei Stunden und hundert Kilometern Piste für die Rückfahrt reservierten. Der Hausmeister wirkt auch weit weniger überrascht über die Übernachtungsanfrage als die Leute im Hotel. Essen könnten wir abends bestimmt in La Cantine, wir rufen vorsichtshalber den Koch an.

Aufgrund des Staubs scheint der Stausee uferlos, wir träumen uns ans Meer. Eher Ostsee, der Kälte wegen. Dann laufen wir durch die Gegend, stolpern über einen verlassenen Campingplatz, sitzen am Flussufer und der Verwalter erzählt von damals. Wie es war, als hier noch ein Fluss war, ohne den See, ohne die Pumpen, ohne den Damm. Wie es jetzt sei und dass alle Arbeit hätten. Dass die Deutschen den Damm gebaut hätten, ob wir deshalb hier seien. Die Deutschen. Ich erinnere mich an einen Prüfbericht über den Damm, der mir einst in die Finger geriet. Flora und Fauna könnten durch die Überflutung Veränderungen erfahren. Konjunktiv.

Abends, La Cantine. Tatsächlich die ehemalige Kantine, beziehungsweise auch die aktuelle. In der Cité gelegen, dem Ingenieurscamp. Sie sieht aus wie alle anderen Kantinen im Deutschland der Achtziger. Es gibt Hacksteak und Erbsen-Möhren-Gemüse aus der Dose. Als wir draußen am beleuchteten, gut unterhaltenen Tennisplatz vorbeifahren, werde ich vollends zeit- und ortlos und rede mir ein, dass das alles nur daran liegt, dass dieser Ort Strom hat.

Wir setzen uns vor unser Haus, trinken Wein, schauen in die Sterne und die Kinder der Achtziger erzählen einander von zu Hause.

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Es ist so. Ich sitze hier am Ende der Welt und bekomme die Hausmitteilungen der Firma. Einmal die neuen Aktenvernichtungsvorschriften, einmal die Gesundheitsvorschriften.
In letzter Zeit bekomme ich wegen EHEC besonders viele Gesundheitshausmitteilungen, die mir sagen, wie ich mit Gemüse umzugehen habe und dass ich mich nicht in Streichelzoos aufhalten solle. Gemüse desinfiziere ich hier grundsätzlich, wenn es nicht gekocht oder geschält werden kann, gemäß der alten Kolonialregeln. EHEC war bisher nicht unser Problem, Typhus relativ wahrscheinlicher. Streichelzoos, nun ja, sind hier auch kein Problem. Ich lese die Hausmitteilung und fühle mich an ein Schild in Dänemark zur Zeit der Maul- und Klauenseuche erinnert. Das Schild wies darauf hin, in Dänemark besser keine frei laufenden Dromedare zu streicheln.

Vor Kurzem erhalte ich eine Hausmitteilung, Betreff: Eingang Hauptgebäude. Der Eingang des Hauptgebäudes ist tatsächlich relevant, im Hauptgebäude befindet sich die Kantine. Man betritt das Hauptgebäude über eine Drehtür. Nein, falsch, es sind vier Drehtüren und genau diese vier Drehtüren sind Gegenstand der aktuellen Hausmitteilung.
Vorab: die Drehtüren drehen sich, wenn man seine Dienstkarte vor einen Scanner hält, sonst hat man keinen Zugang und muss durch die Sicherheitsschleuse an den Empfang. Interessanterweise kann man das Haus durch die Drehtüren auch nicht ohne diesen Mechanismus verlassen.

Da mittags ein spezifisches Verkehrsaufkommen an den Drehtüren festgestellt wurde, habe man nach Auswertungen der Kantinenbesuchsstatistik eine neue Regelung erlassen. Von Montag bis einschließlich Donnerstag in der Zeit von 11.00 Uhr bis 12.00 Uhr reagierten die Scanner der beiden jeweils rechten Türen und initiierten die Drehung. Ab 12.00 Uhr ändere sich dies, bis 13.00 Uhr reagierten drei Türen auf den Dienstpass von außen, aber nur eine Tür reagiere von innen (die rechte von innen gesehen) und lasse einen wieder hinaus. Ab 13.00 Uhr drehe sich das um, durch drei Türen könne man sich dann aus dem Hauptgebäude drehen, nur durch eine habe man noch Zugang, ab 14.00 Uhr drehten die Türen wieder paritätisch.
Freitags verschiebe sich alles um eine halbe Stunde nach vorne. Ebenfalls ändere sich der Zeitplan, stünden Pommes als Beilage auf dem Speiseplan, dann beginne der Dreiereinlass im Freitagsmodus, ende aber im normalen Montagbisdonnerstagmodus um 13.00 Uhr. Klar? Klar.

Ich frage mich seit jeher, wieso Kantinenpommes so beliebt sind und seit Neuestem, wieso es nur einen Pommesmodus, nicht aber einen Grünkernmodus gibt, der die Leute erst gar nicht ins Hauptgebäude lässt, es sei denn durch die Sicherheitsschleuse, wo man noch einmal vor dem Grünkern gewarnt wird.

Als brave Angestellte verinnerliche ich die neue Drehtürregelung für meine nächste Dienstreise, speichere sie zusätzlich im GGG-Ordner ab. Gelesen, gelacht, gelocht. Dann schreibe ich mir eine Outlookerinnerung, vor der nächsten Dienstreise unbedingt auch den Speiseplan zu konsultieren, wegen des Pommesmodus. Anschließend gehe ich essen. Riz Sauce, einfach immer gerade aus.